Entwicklungen und Belastungen in der Frauenberatung Soest

Die Mitarbeitenden der FRAUENBERATUNG SOEST blicken auf ein intensives Jahr 2025 zurück: Insgesamt suchten 323 Menschen Unterstützung, darunter 247 Frauen, die erstmals Kontakt aufnahmen. „Die steigende Zahl der Erstkontakte zeigt, wie wichtig niedrigschwellige Angebote sind“, betont eine der Beraterinnen. In 1.246 Beratungsgesprächen begleiteten die Mitarbeiterinnen die Ratsuchenden durch Krisen, 35 mal auch zu Polizei, Gericht oder medizinischen Terminen – ein deutlicher Hinweis auf die hohe Belastung vieler Betroffener.

Die Ratsuchenden kamen aus dem gesamten Kreisgebiet, besonders häufig aus Soest, von wo rund ein Drittel der Frauen stammt. Etwa gleich viele suchten Unterstützung aus Lippstadt, Werl und Warstein. Die größte Altersgruppe bilden Frauen zwischen 26 und 50 Jahren mit einem Anteil von 58 Prozent. Auffällig ist der deutliche Anstieg der über 60 Jährigen, die inzwischen 20 Prozent ausmachen. Bei 13 Prozent der Ratsuchenden ist bekannt, dass sie keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen.

Thematisch zeigt sich ein breites Spektrum: Mehr als 70 Prozent der Frauen berichten von geschlechtsspezifischer Gewalt. Häusliche Gewalt ist für 52 Prozent der Hauptanlass, sexualisierte Gewalt für 30 Prozent. „Viele kommen wegen eines einzelnen Themas – und im Gespräch zeigt sich, wie eng Gewalt, Trennung, psychische Belastungen und soziale Probleme miteinander verwoben sind“, erklärt eine Beraterin.

Über 40 Prozent der Frauen nannten gesundheitliche oder psychosomatische Beschwerden, sieben Prozent sprachen Suizidalität an. Soziale Isolation, Trauer und Kontaktschwierigkeiten spielten bei 20 Prozent eine wichtige Rolle. Knapp 40 Prozent suchten Unterstützung bei Trennung, Scheidung oder Beziehungsproblemen.

Die Statistik der Täterinnen und Täter verdeutlicht die Dynamik häuslicher Gewalt: In rund 70 Prozent der Fälle waren aktuelle oder ehemalige Partnerinnen oder Partner verantwortlich, in 17 Prozent Familienangehörige. Nur fünf Prozent der Taten wurden von Fremden begangen. Insgesamt wurden 238 Täterinnen und Täter in der Beratungsarbeit 2025 erfasst, überwiegend männliche Einzeltäter.

Auch sexualisierte Gewalt zeigt sich in vielen Facetten – von Vergewaltigung und sexueller Nötigung über Belästigung bis hin zu Gewalt in Kindheit und Jugend. In einigen Fällen lassen sich die Taten aufgrund traumatischer Erfahrungen noch nicht benennen.

Neben der persönlichen Beratung gewinnt die Online Beratung weiter an Bedeutung: 22 Mail  oder Chatkontakte und 21 Videoberatungen wurden 2025 durchgeführt. Die proaktive Beratung nach §34a PolG NRW erreichte acht Frauen nach polizeilicher Wohnungsverweisung.

„Unsere Zahlen zeigen nicht nur die Belastungen der Frauen, sondern auch ihr enormes Vertrauen in unsere Arbeit“, fasst Birgit Reiche, Geschäftsführerin der Trägerin, die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen, zusammen. „Wir stehen an ihrer Seite – unabhängig vom Thema, der Herkunft oder der Lebenslage.“

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